Warum dieser Blog? – Warum dieses Thema?

„Immer wenn Tiere eine Rolle spielen, dann geht es mir gut, dann werde ich ruhig und könnte mehr tun als mir sonst gelingt“, sagt Fabian, ein junger Erwachsener, dessen Leben von Angst bestimmt wird. Er war das Opfer, der Prügelknabe in der Schule.

„Ich war zehn Minuten im Leben gesund“, sagt Mark und beschreibt die Fähigkeiten der Hunde an seiner Seite als besondere, die Menschen nicht haben. Er spricht über ihre Anwesenheit, ihre Wärme, das Fell, die Gutes bei im bewirken.

„Wenn ich bei den Tieren bin, geht es mir immer besser. Vorhin habe ich mich noch richtig schlecht gefühlt. Zum Glück wartet zu Hause meine Katze auf mich“, sagt eine Mittvierzigerin, die spürt, dass Tiere ihr in einer Lebenskrise besonders gut tun.

Ich erlebe seit vielen Jahren die Wirkungen von Tieren auf Menschen und umgekehrt. War es am Anfang einfach nur das angenehme Gefühl, die Liebe zum Tier, mit dem ich unterwegs bin oder das mich in meinen vier Wänden erwartet. Auch neue Kontakte zu Menschen, die ich bei Hundespaziergängen kennenlerne, bereichern mein Leben. Lebenslange Freundschaften entstehen auch durch oder vor allem? durch Tiere. Auch der Tod eines Tieres wird gemeinsam betrauert. Und ein neuer Hund, nicht selten aus dem Tierschutz, mit so genannter Vergangenheit, wird mit offenen Armen im Mensch-Tier-Rudel aufgenommen. Verlust und Zuwachs bereichern unser Zusammensein.

Beruflich, als Medizinjournalistin, erfuhr ich von Wirkungen. Schon die Anwesenheit eines Tieres kann ruhiger machen. den Blutdruck senken, Stress abbauen. Empfindungen und Erfahrungen von damals sind längst durch Studien belegt. Fast jeder hat auch schon erlebt oder gehört wie wichtig ein Tier – egal ob Hund, Katze, Vogel, Nager – für die Kommunikation sein kann. Der Mensch spricht mit seinem Tier und entdeckt Reaktionen. Es antwortet, reagiert. Punkt. Und wer da meint „traurig, dass ein Mensch auf diesen Dialog angewiesen ist“, irrt gründlich. Ich habe Menschen kennengelernt, deren Partner vor allem das Tier ist. Sie waren nicht selten zufriedener und glücklicher als andere, die sich ausschließlich mit Menschen umgeben.

Unumstritten ist auch der Hund als Brückenbauer für Kontakte beim Spaziergang. Bei diesen Begegnungen flirten Mensch und Tier und es entstehen Beziehungen, Partnerschaften und mehr. Denn wer bevorzugt schon einen Menschen an seiner Seite, der das Haustier infrage stellt. So ist man auf der sicheren Seite.

Und dann lernte ich Donatha Wölk kennen. Sie ist Fachkraft (so heißt das offiziell) für Tiergestützte Arbeit. Sie ist seit 15 Jahren selbständig und wegen ihrer Kompetenz zunehmend eine Gefragte. Durch sie erfuhr ich in den letzten Jahren viel mehr über die wechselseitigen Wirkungen zwischen Mensch und Tier. Da gibt es Erkrankungen, Störungen, Ängste, Befindlichkeiten, körperliche und psychische Handicaps, die durch den professionellen Einsatz von Tieren – bei Donatha Wölk sind es die Hunde – gelindert bis geheilt werden können. Was ich aber immer beobachten konnte: Tiere berühren Menschen anders als Menschen und nicht selten sind sie es, die das (verschüttete) Interesse an der Umgebung und an anderen Menschen (wieder) wecken können.

Traurig bis wütend macht es dann, wenn diese Möglichkeiten nicht genutzt werden. Beispiel: Eine 14Jährige lebt im Heim, weil sie auf die so genannte schiefe Bahn geraten ist und Eltern und andere Menschen sie nicht mehr erreichen. Der Versuch der Begegnung mit einem Hund fällt eindeutig aus. Die Augen des Mädchens strahlen. Sie spricht mit ihm und öffnet sich auch Donatha Wölk (was nicht selbstverständlich ist). Doch diese mögliche Rückkehr ins Leben wird leider nicht genutzt. Das Heim entscheidet sich dagegen. Geld!

Das ist leider kein Einzelfall. Ich möchte deshalb mit meinen Geschichten dazu beitragen, dass mehr Menschen über die Wirkungen tiergestützter Arbeit erfahren und sie als eine begleitende, aber auch eigenständige Möglichkeit für therapeutische Erfolge eingesetzt wird. Was von Ärzten, Psychotherapeuten, der Jugendhilfe, dem Altenheim nicht angeboten wird, sollten Angehörige, Kollegen und Freunde von Menschen mit Handicap wissen, um Begleitbehandlungen einzufordern. Nicht jedem geht es besser durch Tiere – aber sehr vielen.

Das Buch SIEBEN HUNDE UND IHRE PATIENTEN, für das ich Donatha Wölk bei ihrer Arbeit begleiten durfte, ist ein Einstieg für Neugierige.

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